04. März 2020

Ergebnisse der Gesprächsrunde am 26.02.2020 mit Otto Schily, Anne Katrin Bohle und Elke Pahl-Weber

Die Joanes Stiftung lud Interessierte zur Diskussion mit dem Bundesministern des Innern a.D., der  Staatssekretärin und der Professorin für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin zum Thema „Stadtgesellschaft: politische Spannungen und gemeinschaftsbildende Lösungen“ ein.

Einleitendes Thema des Abends war die zunehmende Zersplitterung der Gemeinschaft in Bereichen des öffentlichen Lebens und die Frage ob sich politische Spannungen auch in sozialen Spannungen manifestieren. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass es wieder eine verstärkte Gesprächskultur im analogen Raum braucht. Vor allem im Zuge der medialen Berichterstattung und Diskussionen im digitalen Raum, die zu einer zunehmenden Verrohung der Sprachkultur führen. Die digitale Kommunikation verleitet Menschen zu drastischen und destruktiven Aussagen, während in der analogen Diskussion von Mensch zu Mensch selten einander so angegriffen wird. Direkte Kommunikation ist demnach in politisch angespannten Zeiten wichtig, um den Stellenwert der Gemeinschaft und die eigene Position in dieser zu begreifen. Streitbar, aber fair bleiben, ist hier die Devise.

Weiter ging es um die Förderung von Gemeinschaftsbildung im öffentlichen Rahmen und Raum. Seien es politische Impulse, eine verstärkte Fördermittelvergabe von Projekten oder eine infrastrukturelle und bauliche Planung – all diese Instrumente können ein wichtiger Teil politischer oder planerischer Mitgestaltung bzw. Partizipation sein. Wo der Dialog beispielsweise häufig nicht funktioniert bzw. zu wenig möglich ist, ist in der Konstellation Architekten und Anwohner sowie der Verwaltung und Zivilgesellschaft. Beteiligung müsse wieder geübt und gelernt werden.

Ein Beitrag aus dem Publikum führte vor Augen, dass die aktuelle Planung häufig nicht bedürfnisorientiert genug ist und häufig auch nicht sein kann. Architekten wissen teilweise nicht für wen sie genau planen. Den Menschen wird in ihrem Wohnumfeld häufig etwas vorgesetzt, Ablehnung sei hier vorprogrammiert. Bei der Frage ob und wie man mehr Gemeinschaft planen und umsetzen kann, entgegnet Frau Pahl-Weber: „Gemeinschaft muss von unten wachsen, sie kann nicht von oben verordnet werden.“